Archäologen fanden Keller von Graf Dracula

Sensationelle Ausgrabung in Péc, der Kulturhauptstadt Europas 2010

11.10.2009 H. Keller

Archäologe Tomas Fedeles fand in einem mittelalterlichen Keller, ein ca. 600 Jahre altes Dokument, das den ehemaligen Eigentümer als "Drakulya" beurkundet.

Ein spektakulärer Ausgrabungsfund in der ungarischen Universitätsstadt Péc sorgt momentan für einiges Aufsehen. Der Historiker Tomas Fedeles gab an, dass er bei der Freilegung eines mittelalterlichen Kellers eine circa 600 Jahre alte Urkunde aufspürte, die seine Theorie untermauere, dass Vlad III. im Zentrum von Péc ein Haus besaß. Laut seinen Angaben beinhaltet die antiquarische Niederschrift eine ausführliche, detaillierte Beschreibung des ehemals zweistöckigen Gebäudes und weist obendrein einen Eigentümer namens "Drakulya" aus, berichtete das Onlinemagazin Digital.

Olivér Gábor, der lokale Altertumswissenschaftler und Kollege von Tomas Fedeles, erhofft durch weitere archäologische Erkundungen umfassendere Informationen zu erhalten, die einen Hinweis darauf geben, ob "Drakulya" tatsächlich identisch mit Vlad dem Pfähler sein könnte.

Wegen Einsturzgefahr: Öffentlichkeit ausgeschlossen

Zolötan Karpati vom Cultural Heritage Protection Service bremste jedoch das Vorhaben der beiden Forscher, indem er ankündigte, dass er die Arbeiten abbrechen lässt, sofern in näherer Zukunft keine neuen Hinweise gefunden werden. Die Ausgrabungsstätte sei zu instabil und könne unvorhergesehen einstürzen, begründete er seine Entscheidung.

Der Magistrat der Stadt unterstützte Karpati mittels einer offiziellen Verlautbarung durch Péter Merza, der öffentlich bekannt gab, dass weder eine Verpflichtung bestünde, den Fundort der Öffentlichkeit zugänglich zu machen noch die Freilegungsarbeiten weiterhin zu genehmigen, falls in naher Zukunft keine neuen Ergebnisse zu Tage kämen. Er fügte allerdings an, dass es durchaus denkbar wäre, die archäologischen Untersuchungen in absehbarer Zeit wieder aufzunehmen.

Mit Bram Stoker auf Graf Draculas Spuren

Der irische Schriftsteller Bram Stoker (1847-1912) verarbeitete den 200-jährigen Vampir-Mythos um Vlad III. in einem Roman und machte von dem Recht der künstlerischen Freiheit des Schriftstellers Gebrauch. Dies führte dazu, dass einige von ihm erwähnte Schauplätze mit der Biografie des originalen Grafen Dracula nicht übereinstimmen und bis heute die irrige Annahme besteht, dass Vlad III. in Rumänien sein Unwesen trieb.

In Stokers Buch ist die Rede von einem rumänischen Land jenseits der Berge, das Siebenbürgen - Transsylvanien genannt wird. Tatsächlich gehörte Siebenbürgen zum Königreich Ungarn und wurde erst 1918 den Rumänen zugesprochen.

Der Pfähler Vlad III. verbrachte einige Jahre in Ungarn

Fakt ist, einen Großteil seines Lebens verbrachte Vlad III. in der Republik Moldau und im Königreich Ungarn. Folglich wäre es theoretisch möglich, dass der unbarmherzige Walache in Péc ein Wohnhaus unterhielt.

Die in der Urkunde erwähnte Bezeichnung "Drakulya" könnte wahrhaftig ein Hinweis auf den legendären Graf Dracula sein, dessen Vater Vlad II. durch seine Mitgliedschaft im Drachenorden Societas Draconis den Beinamen "Draku" erhielt. Er vererbte diesen Titel seinem ersten männlichen Nachkommen, der als der "Sohn des Dracul" durch seine Gräueltaten in die Geschichte einging. Bleibt zu hoffen, dass die Ausgrabungsarbeiten solange genehmigt und finanziert werden, bis eindeutigere Beweise zu Tage kommen.

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